Projekte in Coronazeiten

Im März 2020 erreichte die Corona-Pandemie uns in Bolivien.Wie geht's nun weiter und was können und dürfen wir noch tun?

Projekte in der Pandemie

Am 3. Februar dieses Jahres begannen die Einschreibungen für den Kinderspeisesaal in Sucre Alto Mesa Verde. Eine Woche später kamen 180 Kinder aus bedürftigen Familien zum ersten Mal in diesem Jahr zum Mittagessen, teilweise 5 aus einer Familie. Am 14. März mussten wir, auf Anordnung der Regierung, den Speisesaal wegen Covid 19 schließen, ebenso die Hausaufgabenhilfe für 80 Kinder: 25 kommen am Vormittag, 55 am Nachmittag. Diese Regelung galt für alle Schulen und Erziehungseinrichtungen, sowie für Geschäfte, Restaurants und sonstige Lokale, ein strenger Lockdown eben. Unsere Schwestern entschlossen sich kurzerhand, jede zweite Woche im Monat Grundnahrungsmittel an bedürftige Familien zu verteilen. Sie waren dafür sehr dankbar, denn viele Väter und Mütter sind von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden und wussten kaum, wie sie ihre Familie ernähren sollten. Der karge Lohn reicht nicht, um Rücklagen für Notfälle zu bilden. Um wenigstens ein bisschen was zu verdienen, verkauften manche auf den Straßen Getränke, Essen und Kleingebäck an Vorübergehende.

In unserem Gesundheitszentrum Sagrada Familia haben die Mitarbeiter zusammen mit Hna. Rosa beschlossen, zusammenzuhelfen, um das Zentrum möglichst offen zu halten und leicht erkrankte Covid-Patienten getrennt von den anderen zu behandeln, nachdem die Krankenhäuser rasch an ihre Grenzen kamen. Viele Virus-Erkrankte, die zu uns kamen, waren sehr entmutigt und hatten große Angst vor einem evtl. bevorstehenden Tod. Die meisten von ihnen litten an Atemnot. Ein Sauerstoffgerät, das wir anschafften, war zur Behandlung sehr hilfreich. Vom 6.-23. August war unser Zentrum geschlossen, weil sich 14 der 19 Mitarbeiter angesteckt hatten. Gott sei Dank hatte niemand einen schweren Krankheitsverlauf. Ein großes Problem war zeitweise der Mangel an Medikamenten und Sauerstoffmasken in allen Apotheken der Stadt, weil eine Partei die Straßen blockierte und Nachschublieferungen verhinderte. Dies kostete vielen Patienten das Leben. Indessen nähten die Schwestern eifrig Schutzanzüge für das Personal im Gesundheitszentrum und Mund-Nasen-Bedeckungen und verschenkten sie an Menschen auf der Straße, denen das Geld zum Kauf fehlte oder die noch gar nicht wussten, worum es geht. Sr. Marita Seitz, Sr. Rosa Villca

Das Internat in Villa Abecia ist ebenfalls seit Anfang März geschlossen, ebenso das Studentinnenwohnheim in Camargo. In der Academia wurde teilweise virtuell unterrichtet, teilweise wurde Präsenzunterricht erteilt bei Reduzierung der Schülerzahl, damit dieses Schuljahr für sie nicht verlorengeht und ein Abschluss möglich wird. Die MitarbeiterInnen der Familienpastoral mussten viele geplante Veranstaltungen absagen und versuchten, soweit möglich, den Kontakt zu den Menschen durch virtuelle Angebote aufrecht zu erhalten. Zurzeit ist das Infektionsgeschehen in Bolivien im Vergleich zu Deutschland auf einem niedrigen Niveau: zwischen 100 und 200 Ansteckungen täglich. Doch gibt es natürlich auch dort Hotspots und die Zahl der Toten ist mit ca. 9.000 relativ hoch. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen SpenderInnen, die die Arbeit unserer Schwestern in Bolivien tatkräftig unterstützt haben und hoffen, dass Sie dies auch weiterhin tun werden, denn die Not ist größer als in Deutschland.

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