Aktuelles vom Institut Hermana Mechtildis

Die Corona-Pandemie stellte unser Institut Hermana Mechtildis in Sucre vor große Herausforderungen.



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Sr. Marita – 36 Jahre in Bolivien

Sr. Marita kam am 1. Mai 1986 nach Bolivien, um für die zukünftigen jungen Schwestern in Bolivien die Verantwortung für die Einführung ins Gemeinschaftsleben zu übernehmen.



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Sr. Yola - 50 Lebensjahre

Ich, Sr. Yola Camacho Villalta wurde am 31. Mai 1972 in Bolivien geboren, meine Eltern sind Heriberto Camacho und meine Mutter Julia Villalba. Ich habe 10 Geschwister: 6 Schwestern und 4 Brüder. Ich komme aus einer katholischen Familie. Meine Eltern feierten 2010 goldene Hochzeit, mit einem...



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Unsere Projekte in Corona-Zeiten

Projekte in der Pandemie

Am 3. Februar dieses Jahres begannen die Einschreibungen für den Kinderspeisesaal in Sucre Alto Mesa Verde. Eine Woche später kamen 180 Kinder aus bedürftigen Familien zum ersten Mal in diesem Jahr zum Mittagessen, teilweise 5 aus einer Familie. Am 14. März mussten wir, auf Anordnung der Regierung, den Speisesaal wegen Covid 19 schließen, ebenso die Hausaufgabenhilfe für 80 Kinder: 25 kommen am Vormittag, 55 am Nachmittag. Diese Regelung galt für alle Schulen und Erziehungseinrichtungen, sowie für Geschäfte, Restaurants und sonstige Lokale, ein strenger Lockdown eben. Unsere Schwestern entschlossen sich kurzerhand, jede zweite Woche im Monat Grundnahrungsmittel an bedürftige Familien zu verteilen. Sie waren dafür sehr dankbar, denn viele Väter und Mütter sind von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden und wussten kaum, wie sie ihre Familie ernähren sollten. Der karge Lohn reicht nicht, um Rücklagen für Notfälle zu bilden. Um wenigstens ein bisschen was zu verdienen, verkauften manche auf den Straßen Getränke, Essen und Kleingebäck an Vorübergehende.

In unserem Gesundheitszentrum Sagrada Familia haben die Mitarbeiter zusammen mit Hna. Rosa beschlossen, zusammenzuhelfen, um das Zentrum möglichst offen zu halten und leicht erkrankte Covid-Patienten getrennt von den anderen zu behandeln, nachdem die Krankenhäuser rasch an ihre Grenzen kamen. Viele Virus-Erkrankte, die zu uns kamen, waren sehr entmutigt und hatten große Angst vor einem evtl. bevorstehenden Tod. Die meisten von ihnen litten an Atemnot. Ein Sauerstoffgerät, das wir anschafften, war zur Behandlung sehr hilfreich. Vom 6.-23. August war unser Zentrum geschlossen, weil sich 14 der 19 Mitarbeiter angesteckt hatten. Gott sei Dank hatte niemand einen schweren Krankheitsverlauf. Ein großes Problem war zeitweise der Mangel an Medikamenten und Sauerstoffmasken in allen Apotheken der Stadt, weil eine Partei die Straßen blockierte und Nachschublieferungen verhinderte. Dies kostete vielen Patienten das Leben. Indessen nähten die Schwestern eifrig Schutzanzüge für das Personal im Gesundheitszentrum und Mund-Nasen-Bedeckungen und verschenkten sie an Menschen auf der Straße, denen das Geld zum Kauf fehlte oder die noch gar nicht wussten, worum es geht. Sr. Marita Seitz, Sr. Rosa Villca

Das Internat in Villa Abecia ist ebenfalls seit Anfang März geschlossen, ebenso das Studentinnenwohnheim in Camargo. In der Academia wurde teilweise virtuell unterrichtet, teilweise wurde Präsenzunterricht erteilt bei Reduzierung der Schülerzahl, damit dieses Schuljahr für sie nicht verlorengeht und ein Abschluss möglich wird. Die MitarbeiterInnen der Familienpastoral mussten viele geplante Veranstaltungen absagen und versuchten, soweit möglich, den Kontakt zu den Menschen durch virtuelle Angebote aufrecht zu erhalten. Zurzeit ist das Infektionsgeschehen in Bolivien im Vergleich zu Deutschland auf einem niedrigen Niveau: zwischen 100 und 200 Ansteckungen täglich. Doch gibt es natürlich auch dort Hotspots und die Zahl der Toten ist mit ca. 9.000 relativ hoch. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen SpenderInnen, die die Arbeit unserer Schwestern in Bolivien tatkräftig unterstützt haben und hoffen, dass Sie dies auch weiterhin tun werden, denn die Not ist größer als in Deutschland.

Berichte aus Bolivien

Schwester Lucia

Mein Name ist Lucia Perez Guzman, ich bin in Chuquisaca - Hernando Siles - San Juan del Pirai geboren und habe sechs Geschwister. Als ich 15 Jahre alt war, wollte ich in ein Kloster in Sucre eintreten. Da ich noch minderjährig war, war es nicht möglich, meinen Traum zu verwirklichen. So entschied ich mich, mit der Schule weiterzumachen und hielt gleichzeitig Kontakt zu den Schwestern von der heiligen Familie, um deren Lebensstil kennenzulernen. Im Jahr 2009, als ich 18 Jahre alt war, trat ich als Aspirantin in die Gemeinschaft ein. Ich war sehr glücklich, weil ich meine ersten Schritte in der Nachfolge Christi machen durfte. In dieser Zeit habe ich das Abitur gemacht. 2010 begann die Ausbildungsphase des Postulats. Ich konnte die Gemeinschaft näher kennenlernen: das Gemeinschaftsleben, das Gebet und das Apostolat und ich konnte bei den verschiedenen Aktivitäten mitmachen. 2011/12 wurde ich im Noviziat angeleitet, durch persönliches und gemeinschaftliches Gebet eine engere Freundschaft und Nähe zu Jesus zu pflegen. Ich habe auch eine umfassende Ausbildung erhalten, z. B. durch die Teilnahme an der Noviziatsschule in Sucre. In dieser Zeit nahm ich auch an Kochund Backkursen und an Näh- und Schneidereikursen in unserem Institut „Hermana Mechtildis“ teil, sowie an Fortbildungen, die die Familienpastoral anbot. Am 2. Februar 2013, dem Tag der Darstellung des Herrn, erhielt ich das Schwesternkleid und wurde somit Schwester von der heiligen Familie. Nun begann die Etappe des Juniorats. Von 2014-2018 war ich verantwortlich für den Kinderspeisesaal „Sagrada Familia“ in Alto Mesa Verde, einem Stadtteil von Sucre, wo täglich zwischen 100 und 180 Kinder im Alter von drei bis vierzehn Jahren aus armen oder zerrütteten Familien ein warmes Mittagessen erhalten. Durch diese Aufgabe hatte ich Gelegenheit, bei Gesprächen mit Eltern, Großeltern oder Beratern viel Einblick in familiäre Situationen zu erhalten. Daher kann ich sagen, dass das Charisma unserer Gemeinschaft für mich von entscheidender Bedeutung und sehr aktuell ist: den Familien menschliche und christliche Werte zu vermitteln. 2016 begann ich an der Universität San Francisco Xavier de Chuquisaca Sozialarbeit zu studieren. Dabei konnte ich die wissenschaftliche Theorie mit der Praxis verbinden, um so einen kompetenteren Dienst an der am meisten gefährdeten Bevölkerung der Gesellschaft leisten zu können und zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beizutragen. 2018 machte ich mein Praktikumsjahr in einer öffentlichen Einrichtung des städtischen Sozialamtes, in der weibliche Opfer von Gewalt betreut werden. Dabei habe ich viel Wissen in diesem Bereich erworben, aber es gab Situationen, die mir als Schwester von der heiligen Familie nachgingen, z. B. die Tatsache, mitzubekommen, wie Familien auseinanderbrechen aufgrund von Gewalt oder mangelnder Kommunikationsfähigkeit. Angesichts dieser Realität spüre ich, wie wichtig es ist, durch Hausbesuche Familien zu begleiten und zu beraten, um die Ehe und das Familienleben zu stabilisieren. Nachdem ich bereits seit sieben Jahren zur Gemeinschaft gehöre und die oben genannten Erfahrungen machen durfte, bin ich überzeugt, dass Gott mich als Arbeiterin in seine Ernte ruft und mich einlädt, dem Beispiel Jesu von Nazareth zu folgen, der sein Leben damit verbrachte, den Bedürftigsten Region BOLIVIEN Gutes zu tun. In dieser Gewissheit richte ich meine Bitte an die Gemeinschaft der Schwestern von der heiligen Familie, mich in diesem Jahr zur Lebensweihe zuzulassen, um mich so für immer an die Gemeinschaft binden zu können und im Namen Christi den Familien zu dienen.

Judith

Dankbar erinnere ich mich an meine Eltern. Mein Vater verdiente den Lebensunterhalt für die große Familie als Schreiner. Meine Mutter war Hausfrau. Sie gebar 15 Kinder. Fünf starben im Kleinkindalter. Wir hatten zwei Zimmer. Diese bewohne ich mit zwei Geschwistern bis heute. Arm und zufrieden wuchsen wir auf. Wie meine Geschwister arbeitete ich ab dem 13. Lebensjahr, besuchte die Schule, machte das Abitur und begann ein Studium an der Uni. Diese Möglichkeiten hatte ich mir erarbeitet. Als ich 19 Jahre alt war starb meine Mutter an Krebs, nach einer kurzen und schweren Leidenszeit. Es fehlte das Geld für eine rechtzeitige Behandlung. Mein Vater starb an Herzversagen. Er hatte seit seiner Kindheit Mal de Chagas. Die Not in der Familie nahm kein Ende. Kurz nacheinander starben meine zwei verheirateten Schwestern an Krebs. Eine Schwester hinterließ zwei, die andere drei noch kleine Kinder. Nach all dem Leid kämpfte ich ein Jahr lang mit Depressionen, von denen ich mich nur langsam erholte. Seit meiner Kindheit beschäftigte ich mich mit Schneidern, das mir eine meiner Schwestern beibrachte. Damit verdiente ich mir den Lebensunterhalt. Mein Studium an der Uni hatte ich aufgegeben. Ich trug mich nun mit dem Gedanken, meine Nähkenntnisse zu verbessern um einen Berufsabschluss zu erlangen. Diese Möglichkeit bot mir die zweijährige staatlich anerkannte, private “Academia técnica Hna. Mechtildis”, geleitet von den Schwestern von der heiligen Familie. Im Februar begann für mich das erste Ausbildungsjahr. Ich freute mich sehr über dieses Angebot! Nach vier Wochen fing ich an zu kränkeln. Ich hatte große Schmerzen im Halsbereich mit Ess- und Sprachbeschwerden. In meiner Not griff ich zu Naturmitteln, ohne Erfolg. Ich wollte meine begonnene Ausbildung abbrechen. Die Direktorin der Akademie, Schw. Maria, gab mir den Rat zu bleiben und einen Arzt zu konsultieren. Diagnose: Krebs! Dann die Frage des Arztes: “Privat oder Krankenkasse?” Ich musste beides verneinen. Wieder fiel ich in eine Depression. Im Gespräch mit Schwester Maria kam das befreiende Angebot, die anfallenden Kosten für Tomografie, Radiotherapie, Magnetresonanz, Chemotherapie zu übernehmen, bis der Staat nach Überprüfung meiner finanziellen Situation die aktuellen Kosten trägt. Dies alles ließ ich über mich ergehen, gesundheitlich ging es mir langsam wieder besser. Mit Erfolg beendete ich das erste Jahr meiner Ausbildung. Ich hatte wieder Freude am Leben. Anfang März 2018 konnte ich das zweite Jahr meiner Ausbildung beginnen Gott sei’s gedankt!

Auch allen Wohltätern, die mir eine neue Zukunft schenkten. Ich will leben und arbeiten, auch um Menschen zu helfen, die leiden, wie ich gelitten habe und keinen Ausweg mehr sehen.

All meinen Wohltätern und deren Familien alles Gute, Gottes Segen und herzliche Grüße Judith

„Judith kam in unserer Academia zu einem erfolgreichen Abschluss. Sie arbeitet selbständig als Schneiderin und hat ihr Auskommen Es geht ihr gesundheitlich weitaus besser; sie macht einen zufriedenen Eindruck und bringt immer wieder ihre Dankbarkeit zum Ausdruck für die Hilfe durch unsere Gemeinschaft. Sie besucht und umsorgt Krebspatienten im Krankenhaus und auch in den Familien.“ Hna. Maria C.